«Alles was mit Entwicklung zu tun hat geschieht durch Veränderung.»
Dass Veränderungen in uns selbst, in unserem täglichen Leben und im Weltgeschehen passieren, ist eine allseits bekannte, geliebte oder ungeliebte Tatsache.
Ich sitze an meinem PC, formuliere meine Gedanken zum Thema der kommenden Feldenkrais-Stunden.
Eben bin ich zurück von meinem Spaziergang durch die verschneite Winterlandschaft. Ich musste mich warm anziehen an diesem kalten Tag, bin vorsichtiger den Wegen entlang gegangen, denn unter der flockigen Schneedecke verstecken sich Eisflächen, die zum Rutschen und Hinfallen einladen.
Balance zu halten und Verankerung in meinem Becken zu spüren war wichtig. So bin ich unbeschadet über die Runden gekommen und habe das Gehen in der zauberhaften Landschaft genossen.
Es ist eine ganz banale Geschichte: wir reagieren auf bestimmte Weise auf Veränderungen, ob sie uns nun willkommen sind oder sich als unangenehme Ereignisse einstellen. Sie passieren mit uns und um uns herum, manchmal auch aus eigener Notwendigkeit heraus.
Als letztes Wesen in der langen Entwicklungsgeschichte zum Menschen reagieren wir wie alle anderen Lebewesen auch auf äussere und innere Änderungen. Diese Fähigkeit haben wir sehr früh in unserem Leben mitbekommen und sie für unser eigenes Menschwerden trainiert.
Mit vielfältigem Experimentieren – durch Erfolg und Scheitern – haben wir gelernt, aus der horizontalen Rückenlage und der Bauchlage auf alle Viere zu kommen und von da zur nächsten Ebene ins Sitzen zu gelangen, wo mit freien Händen das Greifen und Tasten möglich wurde. Durchs Hochziehen an einem Tisch oder an einem Stuhlbein kamen wir ins Stehen und zum Gehen. So haben wir uns Raum und Welt erobert.
Durch diese körperliche Entwicklung hat sich unser menschliches Gehirn entwickelt.
Dadurch dass wir Vielfalt nutzen und dabei Neues entdecken erfährt es kontinuierliche Erweiterung. Wir lernen uns in der Welt zurechtzufinden.
Der Feldenkrais-Lehrer Roger Russell sagt es so:
«In der Vielfalt liegt die Quelle des Neuen.»
Eben: ich wähle für meinen Morgenspaziergang durch die Schneelandschaft nicht unbedingt Sandalen und T-Shirt. Und so unbeschwert wie in wärmeren Tagen sind meine Schritte auch nicht.
Leichter und genussvoller geht es mit angepasster Kleidung und verändertem Gehen.
Täglich nutzen wir die Fähigkeit uns anzupassen, sind uns oftmals dieser Gabe nicht bewusst und haben doch darin eine Möglichkeit, unser Leben leichter und interessanter zu gestalten und darüber hinaus schwierige Situationen zu meistern.
In den Feldenkrais-Stunden arbeiten wir mit dieser «Basis-Fähigkeit». Wir experimentieren mit vielfältigen, manchmal ungewohnten Bewegungen, üben geduldig und mit Neugier, oft auch jahrelang – ebenso wie es unser Leben vorgibt, das ja auch jahrelang dauert.
Januar / Februar 2026
